12.-13.04.1861: Die Schlacht von Fort Sumter, SC
Ich beschreibe hier das erste Gefecht des Amerikanischen Bürgerkrieges: den Beschuss von Fort Sumter im Hafen von Charleston, South Carolina.
Historiker sind sich darüber einig sind, dass dieser Beschuss der Startpunkt des vier Jahre dauernden Bürgerkrieges war, eröffnet von der Seite der Konföderation. Jedoch steht dieses Ereignis isoliert für sich, ohne jede begleitende Strategie. Es entstand als Entladung gegenseitiger Provokationen zwischen der Union und der erst kürzlich abgespaltenen Konföderation. Bis zum Auf- und Ausbau von Armeen und Kriegswirtschaft auf beiden Seiten sollten anschließend noch Monate vergehen. Abgesehen von kleineren Scharmützeln fand die erste „reguläre“ Schlacht bei Manassas erst gut drei Monate später statt.
Im November 1860 wurde Abraham Lincoln als nächster US-Präsident gewählt. Etliche Staaten des Südens – allen voran South Carolina – setzten ihre Ankündigung um, erklärten sich für unabhängig und bildeten einen neuen Bund unter dem Namen „Konföderierte Staaten von Amerika“. Hieraus leiteten sie staatliche Souveränität ab und folgerten daraus, dass bisheriges Regierungseigentum der Union in ihren Besitz übergeht. Dazu gehörten auch alle Einrichtungen der US-Bundesarmee, z.B. die Forts, Wehranlagen und Arsenale. Soldaten und Schiffe wollte man dagegen ungehindert abziehen lassen, sofern sie nicht freiwillig zum Süden übertraten.
Die Unions-Regierung, noch unter Präsident Buchanan, sah das allerdings anders. Sie erkannte die Konföderation nicht als eigene Nation an und lehnte es deshalb ab, ihre Besitzungen aufzugeben. Buchanan war in seinen letzten Amtstagen ein politisch schwacher und sehr auf Ausgleich bemühter Präsident, erlaubte deshalb die Übernahme der meisten Arsenale und Forts durch die Konföderation, nicht aber strategisch wichtige Standorte, zu denen auch der Hafen von Charleston in South Carolina gehört.
Charleston, größte Stadt in South Carolina, liegt am Ende eines natürlichen, weit in das Land hineinreichenden Hafenbeckens, in das mehrere Flüsse münden. So konnte hier ein wichtiger Hafen entstehen, der sowohl gut von rauer See geschützt als auch leicht gegen Angriffe vom Meer aus zu verteidigen war. Hierfür entstanden einige Forts auf beiden Seiten der Hafeneinfahrt. Weil damalige Geschütze nicht weit genug feuern konnten, um die Einfahrt in voller Breite zu sichern, schüttete man ab 1829 etwa in der Mitte dieser Seestraße auf einer Sandbank eine künstliche Insel auf und errichtete darauf einen weiteren Posten: Fort Sumter. Das Fort war 1860 bereits nutzbar, wenn auch die Bauarbeiten noch nicht ganz beendet waren.

Fort Sumter vor dem Angriff
Als South Carolina im Dezember 1860 die Union verließ, wurde die Lage für das von US-treuen Truppen unter Major Robert Anderson gehaltene Fort Moultrie brenzlig. Diese alte Anlage lag am nördlichen Ufer vor Charleston und war nur zur Verteidigung der Hafeneinfahrt ausgelegt, nicht aber Angriffen aus dem Hinterland, wie sie nun denkbar waren. Diese Sorge war durchaus berechtigt, denn Milizen von South Carolina (eine konföderierte Armee gab es ja noch gar nicht) belagerten die Zufahrtswege an Land und postierten Wachschiffe, um Unions-Verstärkungen auf dem Wasserweg abzufangen.
Am 26. Dezember 1860 wagte Anderson die Verlegung seiner 85 Mann auf die Insel Fort Sumter, die er für eine strategisch bessere Position hielt, auch wenn die Anlage noch nicht ganz fertiggestellt war. Er bewies dabei großen Mut, verkleidete sich als Bauarbeiter und fuhr mit wenigen Männern in einem kleinen Boot voraus. Von einem Wachschiff gestellt, lenkte er die Milizen ab, während seine restlichen Männer im Schutze der Dunkelheit nach Fort Sumter gelangen konnten. Der Ärger über das gelungene Täuschungsmanöver von Anderson verstärkte sich bei der Charlestoner Miliz noch dadurch, dass alle Geschütze von Fort Moultrie vor dem Verlassen unbrauchbar gemacht wurden.
Der Süden versuchte daraufhin eine Lösung auf dem Verhandlungsweg. Man bot an, die restlichen Forts von der Unionsregierung abzukaufen und sogar einen Friedensvertrag auszuarbeiten – noch bevor ein einziger Schuss gefallen war. Aber Buchanen lehnte ab und schickte das Schiff „Star of the West“ mit Verstärkungen, Waffen und Lebensmittel nach Fort Sumter. Küstenbatterien vor Charleston beschossen aber das Schiff, und es musste untätig vor Anker gehen.
Der Süden verstand die Anfahrt des Schiffes als Signal, die Belagerung zu verstärken und auszubauen, nicht aber das Fort zu stürmen. Denn der konföderierte Präsident Jefferson Davis wollte ebensowenig als Aggressor gelten wie Lincoln, der am 4. März in das Weiße Haus einzog. Lincoln bot sogar an, Fort Sumter zu räumen, wenn Virginia – wichtiger Staat vor den Toren von Washington – seine Loyalität zur Union erklärt. Doch dazu kam es bekanntlich nicht.

Major Robert Anderson, USA / Brigadier General Pierre G. T. Beauregard, CSA
Am 1. März ernannte Davis Brigadegeneral Pierre G. T. Beauregard zum Befehlshaber der Belagerung, womit die neue Konföderierte Armee das Kommando vor Ort übernahm. Beauregard forderte Fort Sumter mehrfach auf, sich zu ergeben oder sich zurückzuziehen, und verschloss die Hafeneinfahrt, um Lebensmitteltransporte zu verhindern. Gleichzeitig trainierte er die örtlichen Milizen militärisch. Ironie der Geschichte ist hierbei, dass Anderson seinerseits Beauregard in West Point im Artilleriewesen ausgebildet hatte.
Am 6. April informierte Lincoln den Gouverneur von South Carolina, Francis W. Pickens, dass er Versorgungsschiffe mit Lebensmitteln schicken werde, wobei er es von der Reaktion des Südens abhängig machte, ob diese von bewaffneten Schiffen begleitet würden. Derart in Zugzwang gebracht, beschloss das konföderierte Kabinett am 9. April, das Feuer auf Fort Sumter zu eröffnen, bevor die Versorgungen eintreffen konnten.
Beauregard forderte das Fort letztmalig am 11. April zur Übergabe auf, was Anderson erneut ablehnte. Er soll gesagt haben: „Männer, wenn Ihr das Fort nicht wegen uns in Stücke schießt, werden wir in wenigen Tagen am Hunger ausgestorben sein.“ So teilte ihm Beauregard um 3.20 Uhr des darauffolgenden 12. April mit, dass in einer Stunde mit dem Beschuss begonnen wird. Nach einer Signalrakete um 4.30 Uhr eröffneten insgesamt 43 Kanonen mehrerer Küstenbefestigungen das Feuer auf das Fort.

Gemälde vom Angriff auf Fort Sumter 1861
Das Kanonenfeuer weckte die nahe Stadt Charleston und die Bewohner konnten die Flugbahnen der Granaten am Nachthimmel sehen. Fort Sumter hatte wenig Munition und konnte sich deshalb kaum wehren. Zudem trugen die Geschütze des Forts kaum bis zum Festland. Eine weitere Schwäche war die Höhe der Schutzmauern des Forts, die auf Kriegsschiffe ausgelegt war, welche ihre Geschütze nicht sehr hoch einrichten konnten. Geschosse von Land mit weitaus höheren Flugbahnen konnten dagegen im Inneren der Anlage einschlagen.

Karte: Lage von Fort Sumter (blau), den konföderierten Geschützbatterien am Ufer (rot) und der Stadt Charleston (links oben). Anderson's
34 Stunden lang dauerte der Beschuss, bis zuletzt ein Feuer im Innenhof von Fort Sumter ausbrach und das Pulvermagazin bedrohte. Auch wurde der Hauptfahnenmast getroffen, was durch den Pulverdampf von Land aus nicht zu erkennen war. Als man nur das Fehlen der US-Flagge über dem Fort bemerkte, glaubte man an eine Kapitulation und schickte sofort Unterhändler hinüber. Anderson, der bereits einen neuen Masten errichten wollte, willigte dann doch am 13. April um 14.00 Uhr in einen Waffenstillstand ein.
Ebenso wie Beauregard im Vorfeld jede Möglichkeit für eine friedliche Lösung der Situation geboten hatte, gab er sich auch im Angesicht der Kapitulation großzügig. Er gab Anderson 24 Stunden Zeit, das Fort zu räumen und zu übergeben. Auch durfte er die US-Flagge im Rahmen einer Ehrenzeremonie mit bis zu 100 Schuss Salut einholen.
Den einzigen Toten des ganzen Gefechts sowie zwei Verwundete gab es, als bei dieser Zeremonie ein Pulverfass durch Funken zur Explosion kam. Auch hier zeigte sich der Süden zuvorkommend, versorgte diese Männer im Krankenhaus von Charleston und entließ sie dann in ihre Heimat.
Major Anderson wurde mit seinen Männern von einem konföderierten Schiff zum US-Kreuzer „Baltic“ gebracht, der vor der Hafeneinfahrt wartete. Alle Männer erreichten wohlbehalten das Unions-Gebiet. Anderson hatte die US-Flagge des Forts mitgenommen, die er persönlich nach der Wieder-Einnahme von Fort Sumter durch die Union am 14. April 1865 dort erneut hisste.
In den Jahren dazwischen war das Fort trotz mehrfacher Versuche unbesiegbar geblieben und stellte stets eine Lücke in der Seeblockade der Union dar.

Die US-Flagge von Fort Sumter, 1861 durch konföderierten Beschuss niedergegangen, 1865 dort erneut gehisst, heute im dortigen Museum ausgestellt.
Dieser Beschuss setzte in beiden Landesteilen das militärische Räderwerk hin zum eigentlichen Krieg in Gang. Der Süden setzte den Aufbau seiner konföderierten Armee fort, Lincoln rief im Norden zunächst 75.000 Freiwillige an die Waffen.
Hier noch eine zeitgenössische Darstellung zum Thema:

Die entsprechende Szene in der TV-Serie "Fackeln im Sturm", gedreht im museal erhaltenen Fort Moultrie an der Küste vor Charleston mit Blick auf Fort Sumter, könnte exakt dieser Zeichnung nachempfunden worden sein.